Weird Food, verrücktes Essen Teil 2

Lesen Sie im zweiten Teil unserer Story, was es Verrücktes für unsere Zunge gibt. Noch mehr Weird Food

Viel skurriler als die verrücktesten Restaurants sind aber die außergewöhnlichsten Speisen der Welt. Sie erfordern nicht nur die Toleranz unserer Zunge sondern auch unseres Gewissens und der westlichen Moralvorstellungen.

Recht unaufregend möchte ich zur Einstimmung mit den frittierten Insekten beginnen. In asiatischen Ländern, wie China und Thailand, als auch in Kambodscha, Mexiko oder Teilen von Australien gelten die proteinreichen Snacks als Delikatessen. Ich habe selbst schon frittierte Heuschrecken gegessen und muss sagen, ihr Geschmack erinnert an eine Mischung aus Hühnchen und Chips - jedenfalls sind sie wirklich lecker. Auch frittierte Skorpione kommen in Teilen Asiens auf den Tisch (wobei sie dort eher an Straßenständen angeboten werden, Fast Food a la Bratwurst und Döner eben). Geschmacklich sollen sie an Hummer erinnern. In Kambodscha sind weiters frittierte Spinnen sehr beliebt - diese könnten für einige von uns, mich eingeschlossen, eine echte Herausforderung darstellen.

Von Froschschenkel bis pürierter Frosch

Als sehr befremdlich empfinde ich das Essen von Froschschenkeln, die aber immer beliebter werden und nicht mehr nur noch in Frankreich, sondern auch schon vermehrt in anderen Teilen Europas oder auch der Karibik gegessen werden. Meist zubereitet mit Knoblauch und als Suppe, soll ihr Geschmack stark hühnchenähnlich sein. In Peru gelten pürierte Frösche überdies als „viagraähnlich“ - und werden dazu (oft noch lebendig) gehäutet einfach in den Mixer gesteckt und in Form von Cocktails serviert. Lebendig die Haut abzuziehen, um die „Wirkung“ zu maximieren… das ist definitiv einer der Punkte, wo meine Toleranz an ihre Grenzen stößt.

Für mich die erschreckendste und abartigste Speise ist rohes Affenhirn, das in Singapur in einigen Restaurants sogar vom lebendigen Tier angeboten wird. Abgesehen von Krankheiten wie BSE, ist das meiner Meinung nach nur Tierquälerei und in keinster Weise unterstützenswert.

Wer schon einmal Urlaub in Schweden gemacht hat, der ist vielleicht auf folgende Spezialität gestoßen: „Surströmming“, vergorener Hering, der auch in der Dose noch weitergärt. Der intensive Geruch nach Fisch ekelt so manchen Mitteleuropäer aber so sehr, dass auf den Geschmackstest gleich verzichtet wird.

Haben Sie schon einmal Peking Ente gegessen? Und damit meine ich nicht die nett angerichtete Geflügelspeise im China Restaurant Ihrer Wahl - sondern die originale Peking Ente. Ein Sprichwort besagt: „Wer nie die große Mauer gesehen hat und nie Pekingente gegessen hat, der war nicht in China“. Denn hier wird wirklich alles verkocht - als Vorspeise gibt es die knusprige Haut, serviert in Teigfladen, den Hauptgang macht tranchiertes Fleisch mit verschiedenen Beilagen. Während die Gäste mit diesen zwei Gängen beschäftigt sind, wird aus den Resten des Tieres eine Suppe gekocht, die traditionell den Abschluss des Essens bildet. Dass man von Geflügel generell mehr als nur das zarte Fleisch essen kann, hat sich mir auch in Thailand anschaulich geboten: gebraten oder in einer Sauce gekocht, werden dort auch Hühnerfüße angeboten. Sowohl optisch, als auch von der Konsistenz her: kein Essen für schwache Nerven.

Tausendjährige Eier

Tausendjährige Eier: hier treibt mir allein der Anblick den puren Ekel in die Knochen. Wenngleich die Eier auch nur drei, und nicht tausend Jahre alt sind, ist die geleeartige Konsistenz und die grau blaue Farbe mehr als nur ein bisschen seltsam für meine mitteleuropäischen Vorstellungen von Lebensmitteln. Um sie haltbar zu machen, werden die Eier in eine Mischung aus Kalk, Kohle, Salz und Wasser eingelegt oder einfach in Asche und Zitrone. Je nach Lagerungsart variiert der Geschmack - von zart bis beißend.

Eine ähnliche Herausforderung stellt der Anblick von Natto dar, das bei uns sogar in manchen Asiashops erhältlich ist. Hierbei handelt es sich um fermentierte Sojabohnen, die optisch an eine schlecht gewordene Gemüsepfanne erinnern. Besonders durch die vielen Fäden, die es zieht, ist es für die mitteleuropäischen Augen nicht als besonders schmackhaft erkennbar.

Ausgebrütetes Vogelei

Zurück zum Ei, bildet „Balut“ den Abschluss. Vorwiegend auf den Philippinen oder in Vietnam gegessen, hat es mittlerweile auch den Einzug in die USA geschafft. Hierbei handelt es sich um ein - Achtung - ausgebrütetes (!) Vogelei. Dazu lässt man die Eier ungefähr 14 Tage von der Vogelmutter ausbrüten, um sie ihr dann zu nehmen: darin befindet sich ein deutlich gebildeter Embryo, sowie Eiweiß. In Vietnam bevorzugt man Eier ab dem 19. Tag - hier ist der Körper des Jungen schon beinahe ausgewachsen. Das Eigelb schmeckt nach Eigelb, das Küken nach Huhn - dennoch wäre es für mich niemals eine Option, da man das vollständig entwickelte „Baby“ bestens erkennt und mir allein der Anblick des toten Tieres jeglichen Hunger vergehen lässt.